Was kann Elektromobilität leisten?

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Tom-Hanisch.de - Fotolia.com Die Erwartungen an die Elektromobilität sind hoch, doch wie sieht es mit der Umweltbilanz und mit den Kosten wirklich aus? Der Klima- und Energiefonds und der Verkehrsclub Österreich haben zu dem Thema eine Broschüre mit dem Titel „Faktencheck E-Mobilität" herausgegeben, der aktuelle Zahlen und Prognosen liefert sowie auch mit einigen Mythen aufräumt.

 

Eines gleich vorweg: Eine komplett emissionsfreie und ressourcenschonende Mobilität können auch E-Fahrzeuge nicht leisten. Aber bei Betrachtung des gesamten Lebenszyklus des Fahrzeuges und der heimischen Stromproduktion verursachen Elektroautos gegenüber fossil betrieben Kfz im Schnitt zwischen 70 und 90 Prozent weniger Treibhausgase.

 

Würde der Strom für Elektroautos ausschließlich aus Kohlekraftwerken kommen, was allerdings nicht der Fall ist, so wäre die Treibhausgasbilanz nicht besser als bei einem Auto mit Verbrennungsmotor. Das deutsche Umweltministerium hat errechnet, dass bei Verwendung des deutschen Strommixes – trotz eines Kohleanteils von 42 Prozent – die Treibhausgasbilanz der E-Autos um 12 bis 23 Prozent besser ist als bei konventionellen PKW mit Verbrennungsmotor.

 

Österreich hat hier klare Vorteile, weil es zum einen bereits einen hohen Anteil an erneuerbarer Energie hat und andererseits auch noch Potential für den Ausbau. Voraussetzung dafür ist, dass der benötigte Strom durch zusätzliche Ökostromanlagen produziert wird – eine 18 m2 große Photovoltaikanlage mit einer Leistung von 2,6 Kilowattpeak deckt mit der jährlich produzierten Energiemenge den Strombedarf eines Autos für 13.000 Kilometer – das ist ungefähr eine durchschnittliche Jahresfahrleistung in Österreich.

 

Berücksichtigt man den gesamten Lebenszyklus der Elektrofahrzeuge inklusive Batterieproduktion, verursachen E-Autos gegenüber fossil betriebenen Kfz um 70-90 Prozent weniger CO2. Entscheidend ist auch, woher die Energie für die Produktion des Herzstücks des Elektroautos, der Batterie, kommt. Die meisten Batterien werden in China produziert, dort ist allerdings der Anteil an Kohlekraft sehr hoch. Gelingt es China, den Anteil an Kohlekraft zu reduzieren, verbessert sich auch die Umweltbilanz der Elektroautos ein weiteres Mal.

 

Während der reine Elektroantrieb, betrieben mit 100 Prozent Ökostrom, über den Fahrzeuglebenszyklus nur ca. 20g CO2 pro Personenkilometer verantwortet, emittiert der durchschnittliche Benziner und Diesel mit rund 175 g CO2 pro Kilometer fast neun Mal so viel.

 

Strombedarf
Würden nur zehn Prozent aller PKW in Österreich elektrisch fahren, so wäre der jährliche Strombedarf um 1,3 Terrawattstunden, also lediglich um 1,8 Prozent, höher. „Stiegen rund 20 Prozent aller Pkw in Österreich auf Elektroantrieb um – das wären 1 Million Fahrzeuge –, würde der heimische Strombedarf gegenüber dem Jetztstand rechnerisch um nur rund 3,6 Prozent steigen", weiß Faktencheck-Autor Georg Günsberg. Diese Menge ist in den kommenden Jahren relativ leicht durch neue Ökostromanlagen in Österreich abdeckbar.

 

Bei vollständiger Umstellung aller Fahrzeuge würde der Jahresstrombedarf um 18 Prozent von derzeit 70 TWh auf 83 TWh steigen. Ob sich das bei gleichbleibender Autonutzung und ohne Änderung im Mobilitätsverhalten ausgeht, ist allerdings offen.
Ein Anteil von 30 Prozent Elektroautos bis zum Jahr 2023 sollte sich allerdings laut einer Studie der TU Wien sehr wohl ausgehen – und das sogar unter Einsatz erneuerbarer Energieträger für den kompletten Strombedarf in Österreich.

 

Derzeit tragen E-Autos eher zum Ausgleich von Lastschwankungen bei, da sie vorwiegend in der Nacht geladen werden. Der geringere Stromverbrauch lässt die Stromlast jede Nacht um etwa ein bis zwei Gigawattstunden absinken. Das heißt, über 500.000 E-Autos könnten an einer 3,7 kW-Steckdose diese Ladeleistung nutzen, ohne zusätzliche Stromerzeugungskapazität in Anspruch zu nehmen. In Zukunft könnte die Batterie der E-Autos auch als Speicher nutzbar sein, der in Zeiten erhöhten Energiebedarfs die gespeicherte Energie wieder an das Stromnetz zurückgibt.

 

Batterieleistung
Bei höheren Geschwindigkeiten wird die Batterie stärker belastet, der Stromverbrauch steigt an. Auch die Außentemperatur ist für die Leistung wesentlich, am besten funktioniert sie zwischen 20 und 40 Grad Celsius. Da im E-Auto die Abwärme des Verbrennungsmotors entfällt, muss dieses extra beheizt werden, was auch zusätzlich Strom verbraucht. Aus diesem Grund haben neue Modelle eine Wärmepumpe eingebaut, die aus einem Kilowatt Strom drei Kilowattstunden Wärme erzeugen kann.

 

Die Lebensdauer der Lithium-Ionen-Autobatterien liegt bei mindestens 10 Jahren bzw. 4.000 Ladezyklen, wobei aktuell eingesetzte Batterien sogar für 150.000 Kilometer bzw. 15 Jahre ausgelegt sind.

 

Der Preis der Batterie könnte aufgrund höherer Produktion in den nächsten Jahren ebenfalls sinken, die Internationale Energieagentur erwartet sogar, dass ab dem Jahr 2025 die Anschaffungskosten von Elektrofahrzeugen und jenen mit Verbrennungsmotor gleich sein werden.


Geringere Erdölabhängigkeit
Die Elektromobilität kann auch wesentlich dazu beitragen, Erdölimporte zu reduzieren. Laut des „Faktenchecks E-Mobilität" betrug der Wert der Importe in den letzten fünf Jahren zwischen 4,8 und 8,8 Milliarden Euro, vier Fünftel davon wurden für den Verkehrssektor verwendet.

 

Neuzulassungen
2017 waren 1,4 Prozent aller neu zugelassenen PKW mit Elektroantrieb, damit ist Österreich Spitzenreiter in der EU. Blickt man über die Grenzen der EU so wird dieser Wert nur noch von Norwegen getoppt: Beim Anteil an Neuzulassungen ist Norwegen führend, da es hier Steuerbegünstigungen für E-Fahrzeuge gibt – etwa keine Mehrwertsteuer beim Ankauf – aber auch andere „Zuckerln" für E-Autos wie eine Parkgebührenbefreiung oder die Nutzung von Busspuren. Ab 2025 sollen in Norwegen nur mehr E-Fahrzeuge zugelassen werden.

 

Kosten der Elektroautos
Die Anschaffungskosten von Elektroautos sind höher als jene von PKW mit Verbrennungsmotor, die laufenden Kosten für den Betrieb sind allerdings wesentlich niedriger. Die Anschaffung wird derzeit gefördert, Private bekommen 4.000 Euro wenn der Strom für den Betrieb aus erneuerbaren Energieträgern stammt. Des Weiteren entfallen die Normverbrauchsabgabe (NoVa) sowie die motorbezogene Versicherungssteuer.

 

Bei einer Jahreskilometerleistung von 15.000 Kilometern und einem Verbrauch von 15-20 kWh pro 100 Kilometern liegt der „Treibstoffpreis" pro Jahr bei rund 650 Euro, wenn man 22 Cent pro Kilowattstunde Strom rechnet. Auch alle Ausgaben für Verschleiß und Wartung dürften geringer ausfallen als bei Benzin- bzw. Diesel-PKW.

 

Leiser als herkömmliche PKW
Ab Juli 2019 müssen alle in der EU neu zugelassenen E-Fahrzeuge mit einem künstlichen Geräusch ausgestattet werden. Dieses dient dazu, Unfälle mit Fußgängern zu vermeiden, denn es ist Gewohnheit, ein herannahendes Auto schon von weitem zu hören und dadurch auch die Entfernung abschätzen zu können.

 

Nähere Informationen:
www.vcoe.at

 

Foto: Tom-Hanisch.de - Fotolia.com

 

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