Neue Radverkehrsstrategie für Vorarlberg

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radkette Unter dem Titel „Ketten-Reaktion" hat das Land eine neue Radverkehrsstrategie vorgestellt. Die darin enthaltenen und aufeinander abgestimmten Maßnahmen haben das Ziel, das Radfahren noch attraktiver zu machen. So sind sowohl Ideen für Radschnellverbindungen, radfreundliche Ortsgestaltungen bis hin zur Warenzustellung mittels Lastenfahrrad darin enthalten.

 

Nachdem die vorherige Radverkehrsstrategie bereits aus dem Jahr 2005 stammt und sich seither viel getan hat, war es Zeit für ein neues Konzept. Für die Radverkehrsstrategie „Ketten-Reaktion" erarbeiteten ExpertInnen und Betroffene in rund einem Jahr 124 Maßnahmen. „Ziel ist es dabei vorrangig den Anteil des motorisierten Verkehrs zu reduzieren", so der Vorarlberger Mobilitätslandesrat Johannes Rauch.

 

Einer der Schwerpunkte der neuen Strategie liegt im Ausbau der Radinfrastruktur. „Wir wollen immer Menschen dazu motivieren, immer öfter mit dem Fahrrad unterwegs zu sein. Dafür braucht es eine Infrastruktur, auf der man gerne und damit einfach, schnell, direkt und komfortabel unterwegs ist", sagt Landesstatthalter Karlheinz Rüdisser.

 

Die Radinfrastruktur setzt auf drei Bereiche:

1. Radschnellverbindungen: Diese sollen verbreitert und durchgehend bevorrangt sein. Im Mischverkehr werden diese in Tempo 30-Zonen und Fahrradstraßen geführt. Von den rund 850 Kilometern Landesradrouten sollen in Zukunft 200 Kilometer als Radschnellverbindungen entwickelt werden.

2. Grundnetz der Landesradrouten: Diese verbinden die Zentren und fungieren als „Rückgrat" des Netzes. „Wir haben ein hochwertiges Angebot, aber nach wie vor gibt es Lücken im Landesradroutennetz, die wir schließen müssen", erläutert Rüdisser.

3. Kommunales Straßen- und Wegenetz: Dieses soll möglichst flächendeckend radfreundlich und tempoberuhigt gestaltet werden.

 

Gemeinden wichtigste Partner
Generell spielen die Gemeinden in der neuen Radverkehrsstrategie eine große Rolle. Nicht nur die Radwege in einer Gemeinde sind wichtig, sondern auch gute Abstellplätze, denn „jede Fahrt mit dem Fahrrad beginnt und endet mit dem Abstellplatz. Wer fürchtet, dass sein Fahrrad in der Abstellanlage beschädigt wird (zB durch Spiralhalterungen), mangels Überdachung nass wird oder überhaupt gestohlen wird, weil es nicht am Rahmen abgesperrt werden konnte, fährt nicht gerne", sagt Gemeindeverbandspräsident Bürgermeister Harald Köhlmeier.

 

Weitere Maßnahmen für die Gemeinden sind neben radfreundlicher Raumplanung auch die Zusammenarbeit mit Schulen und Kindergärten, um schon die Kleinsten fürs Radfahren zu begeistern. Auch in Betreiben und Vereinen soll die Lust am gemeinsamen Radfahren geweckt werden. Schließlich ist auch die interkommunale Zusammenarbeit bei der Infrastrukturplanung wichtig – dafür sind auch finanzielle Anreize durch das Land in Planung.

 

Kombination mit ÖV
Damit das Fahrrad als Alltagsverkehrsmittel interessant ist, bedarf es einer Kombination mit den Öffentlichen Verkehrsmitteln, etwa einer Anbindung von Haltestellen an das Landesradroutennetz und verbesserten Abstellmöglichkeiten an Bahnhöfen. Auch die Möglichkeit, für „die letzte Meile" ein Leihrad nehmen zu können, soll geschaffen werden.

 

Neue Technologien
Immer beliebter wird die Zustellung von Waren mittels sogenannter „Cargobikes". „Pilotprojekte zur Fahrrad-Zustellung in Gemeinden – ob mit Cargobikes oder Transportanhängern – finden bereits vereinzelt statt.", erläutert Harald Köhlmeier. „Warentransport per Fahrrad hat großes Potential, gerade in den stärker besiedelten Regionen und Städten, in denen Lieferwägen im Stau stecken. Im Rahmen der Strategie schaffen wir die Möglichkeiten, solche Projekte stärker zu unterstützen", so der Bürgermeister der Marktgemeinde Hard.

 

Auch im Bereich der E-Bikes ist einiges geplant: Sogenannte „S-Pedelecs", die das Treten auch bei über 25km/h unterstützen, sind sehr gefragt. Derzeit sind sie aber als Moped eingestuft und dürfen Radverkehrsanlagen nicht benutzen. „Hier gilt es gemeinsam mit den anderen Bundesländern bundesweite, alltagstaugliche und sichere Lösungen zu finden, die das Potential dieser Räder besonders im Bereich der längeren Pendlerstrecken nicht einschränken", sind sich die beiden Landespolitiker Johannes Rauch und Karlheinz Rüdisser einig.

 

Die neue Radverkehrsstrategie ist eigebettet in die Energieautonomiepläne, die Elektromobilitätsstrategie und das Gesamtverkehrskonzept des Landes Vorarlberg und soll bis 2027 umgesetzt werden.

 

Radwege durch das Lauteracher Ried
Dass die Zusammenarbeit zwischen den Gemeinden bei Fahrradprojekten funktioniert, beweisen die Gemeinden um das Lauteracher Ried. Dort fährt jede/r Bewohner/in im Schnitt einmal pro Tag mit dem Fahrrad. Durch die Entwicklung neuer Betriebsgebiete werden zudem immer mehr Arbeitsplätze mit dem Fahrrad erreichbar. Etwa zwei Drittel aller Beschäftigten wohnen weniger als zehn Kilometer vom Arbeitsplatz entfernt und könnten leicht das Fahrrad für ihren Arbeitsweg nehmen. Die Durchquerung des Rieds mit dem Rad ist im Alltagsradverkehr derzeit aber nur erschwert möglich, da viele Wege nicht staubfrei und deshalb bei schlechtem Wetter und bei Schnee nicht gut befahrbar sind. Es müssen entweder große Umwege gemacht oder stark befahrene Landesstraßen benützt werden.

 

Die Gemeinden Lauterach, Lustenau, Hard, Höchst, Wolfurt, Fußach, Gaißau, Schwarzach und Dornbirn haben sich daher an das Land Vorarlberg gewandt, woraufhin gemeinsam mit den Gemeinden ein Planungsprozess gestartet wurde. Da das Lauteracher Ried im Natura 2000 Gebiet liegt und auch landwirtschaftlich genutzt ist, werden die Planungen voraussichtlich erst im Herbst 2018 abgeschlossen sein.

 

Goldene Fahrradklingel verliehen
Heuer wurde im Rahmen des „Radius Fahrradwettbewerb" im Rahmen der Radnacht am 11.10.2017 zum zweiten Mal die Goldene Fahrradklingel verliehen. Über 12.600 Vorarlberger/innen sammelten in etwas mehr als sechs Monaten über 10,6 Millionen Kilometer und radelten zusammen 265 Mal um die Erde.

 

329 Veranstalter, darunter Gemeinden, Betriebe, Vereine und Bildungseinrichtungen trugen zu diesem Erfolg bei. „Ohne das Engagement der Vorarlberger Gemeinden, Betriebe, Vereine und Schulen, die jedes Jahr sehr engagiert als Veranstalter beim Radius mitmachen, wäre der Fahrradwettbewerb nicht bereits seit vielen Jahren so erfolgreich", erklärte Landesrat Johannes Rauch bei der Preisverleihung.


Insgesamt wurden elf Veranstalter im Rahmen der Radnacht mit der goldenen Fahrradklingel geehrt: In der Kategorie Gemeinden die Kommunen Bezau, Höchst und Dornbirn, in der Kategorie Vereine die Freiwilligen Feuerwehren Vorarlberg, der Radsportverein „Lahme Kurbel, Nasse Gurgel", der Alpenverein Götzis sowie die Katholische Kirche Vorarlberg und bei den Arbeitgebern wurden Dr. Eckert-Krause und Partner OG, die Raiffeisenbank Bezau-Mellau-Bizau, Skinfit sowie die Dornbirner Sparkasse AG ausgezeichnet.

 

„Die vielen Mitradlerinnen und –radler beim Radius Fahrradwettbewerb zeigen deutlich, dass im Ländle bereits jetzt begeistert geradelt wird. Die beachtliche Vorarlberger Fahrradcommunity beweist, dass es Fahrradkultur nicht nur in großen Städten wie Kopenhagen oder Amsterdam gibt, sondern auch im Ländle", freut sich Mobilitätslandesrat Rauch über den großen Erfolg des diesjährigen Radius.

Durch die neue Radstrategie „Kettenreaktion" soll der Fahrradwettbewerb „Radius" auch in Zukunft gefördert werden.

 

 

Foto © VLK/A.Serra

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